Dass die Ewattinger Volleyballer in Sachen Siegerehrung bei ihrem traditionellen "Dreikönigsturnier" unkonventionelle Wege gehen, ist Eingeweihten allseits bekannt. Dass der Sieger nun aber erst knapp drei Monate nach dem Turnier auserkoren wurde, das ist selbst für die Verhältnisse der "Tiefflieger" außergewöhnlich. Und noch außergewöhnlicher war das Ambiente, in dem die finale Runde des Dreikönigsturniers ausgetragen wurde. "Krawattenpflicht!", hieß es in der Einladung zutiefst distinguiert.

Der Weg in die Lokalität der Veranstaltung führte über einen roten Teppich, der auf die Außentreppe ausgerollt wurde. Im Innern des Gasthauses "Hirschen" sorgten gedämmtes Licht und ein Sektempfang für den edlen Rahmen. Das Herzstück des Raumes war schließlich der Roulettetisch, welcher für einen Abend den Stammtisch ersetzte. "Ein Abend im Casino", lautete das Motto, unter dem die Entscheidung des Dreikönigsturniers fallen sollte.

Tatsächlich erschien ein Großteil der Teilnehmer in überaus adretter Abendgarderobe. Ausnahmen wurde sporadisch eine Krawatte umgebunden, wie etwa Gernot Würth, der beim Eintritt in den "Hirschen" spontan für das Team vom Sportverein mit antreten durfte. "Ich wollte eigentlich nur ein Bierchen trinken", erklärte der etwas überrumpelt wirkende Stühlinger. Dafür startete er mit seinem Spielpartner Frank Grieshaber umso furioser. Bei Wettkämpfen wie Prominentenstimmen erkennen, einem Bilderquiz um mehr oder weniger bekannte Ewattinger Flecken oder beim Maß-Stemmen ließen sie der Konkurrenz kaum eine Chance. Auch am Roulettetisch hatten die beiden zunächst das Glück gepachtet, und erhöhten dort nach jedem Spiel ihre Punktzahl um ein Vielfaches. Der Sieg schien den beiden in sicheren Händen bis zum letzten Wettbewerb, als Theaterspielen auf dem Programm stand. Die Kandidaten bekamen dabei von Spielleiter Mike Faller fünf Begriffe - unter anderem "Weisheitszahn", "Volleyball" oder "Spitzbart" -, die sie in der Folge in eine kurze Theaterszene einbauen mussten. Von einer Jury wurde dann die Art und Weise bewertet, inwiefern den Akteuren es gelungen war, die Szene in dem vorgegebenen Genre darzubieten. Die Palette reichte vom Musical bis zum Krimi. Spätestens in diesem Finale liefen die Teilnehmer zur Hochform auf.

So verblüfften Norman Wöhrstein vom Elferrat in der Rolle als herzzerreißender Tenor, Klaus Schuler vom "Hirschen-Team" als bärtige Fee oder Jutta Huber als unersättliche Liebhaberin. Die Anwesenden krümmten sich vor lachen und die Jury verteilte allenthalben Traumnoten. Nur bei der Vorstellung des Duos vom SVE hielt sich die Begeisterung ziemlich in Grenzen. "Also ich fand's gut", so Frank Grieshaber angesichts der zurückhaltenden Bewertung der Jury nach dem Kurzauftritt. Seine positive Selbsteinschätzung änderte jedenfalls nichts daran, dass sein Team in der Rangliste abrutschte. Am Ende - also in der Gesamtwertung einschließlich des Dreikönigsturniers - schaffte es der Elfer auf Platz eins. Das Team um Norman Wöhrstein arbeitete sich sage und schreibe vom letzten auf den ersten Platz vor. Doch die Platzierungen interessierten nur am Rande. Die Volleyballer hatten den Anwesenden einen herrlich-verrückten Abend beschert, der wahrlich eine größere Resonanz verdient hätte. "Wir haben das Beste draus gemacht", resümierte Udo Huber. Und Haiko Retzke forderte für das kommende Jahr "unbedingt eine Neuauflage".

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